Apr 26

Die Eisvögel-Saison 2010/11

Die Eisvögel-Saison 2010/11

?Ich bin überglücklich?, sagt der 1. Vorsitzende der Eisvögel, Professor Dr. Mohsen Mohadjer. Und er hat allen Grund dazu: Die Eisvögel sind erfolgreich wie nie: Vizemeister! Für die Fans aber: Meister der Herzen! Dem Meister Wasserburg haben sie das Leben in den Finalspielen ausgesprochen schwer gemacht. Dass die Finalrunde nach drei Spielen zu Ende ging, war ? nach Überzeugung vieler – nicht nur auf die Qualität der Meistermannschaft zurückzuführen. Selbst das gegnerische Lager sah in den Eisvögeln über weite Strecken die dominierende Mannschaft. Was jetzt im Vordergrund stehen muss, ist aber nicht die Klage über die Niederlage, sondern der Jubel über den Titel: Vizemeister!

Dabei hat es zu Beginn der Saison gar nicht so gut ausgesehen. Trainer Harald Janson hatte im Training nicht die allerbesten Eindrücke. Ihm war bald klar, er musste Geduld beweisen. Auch nach außen gab er sich damals alles andere als zuversichtlich.

Er hatte allen Grund dazu. Die vier stärksten deutschen Spielerinnen hatten den Verein verlassen bzw. ihre aktive Karriere beendet. Da immer mindestens zwei Spielerinnen mit deutschem Pass auf dem Platz sein müssen, war das ein bedrohlicher Einschnitt. Die Hauptlast hatten also die ? bewährten – ausländischen Damen zu tragen: Mirna Paunovic, Sarah Hayes und Jahzinga Tracey. Wenn eine von ihnen krank oder sich verletzten würde, hätte das nicht kompensiert werden können.

Aber dann kam alles ganz anders.

Dass Yvonne Turner so einschlagen würde, konnte man zu Beginn der Saison hoffen, sicher war das nicht. Dass Janson zum Ende der Saison sagen würde: ?Natalija Bondarenko muss man gratulieren für ihre erste Saison in der 1. Bundesliga?, war auch nicht fest vorhersehbar. Die junge Frau war aus der Regionalliga in das Eisvögelnest gekommen, und ?wird noch besser werden?, weiß Janson jetzt. Dass Jule Schindler in den zwei Monaten bei der U-20-Nationalmannschaft sich derart stark entwickeln würde, war auch nicht einkalkulierbar. ?Vorher war sie ein kleines Baskettballmädel, jetzt ist sie eine wirklich wichtige Spielerin für uns geworden?, sagt ihr Trainer. Auch die Höre-Sisters sind deutlich stärker geworden (?Aber wir wollen noch stabiler werden?, sagt Lotte). Und auch der Nachwuchs sei ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft, hält Janson fest. ?Marie-Anne Bohn hat beim Viertelfinale in Nördlingen mitentscheidend zu unserem Erfolg beigetragen.?

?Wir sind das Team, das das Potential der Mannschaft am besten ausgeschöpft hat?, zieht Harald Janson Bilanz. Die vier ausländischen Spielerinnen passen in jeder Beziehung in die Eisvögelmannschaft. Das sei nicht selbstverständlich, wie man an anderen Beispielen sehe, sagt er. Und: ?Wir haben keine Fehlverpflichtungen.? (Was natürlich auch Jansons Verdienst ist, wie man anmerken darf.)

Dass die Saison hätte anders verlaufen können, zeigen die Spiele, bei denen Sarah und Mirna wegen Krankheit fehlten oder zumindest geschwächt waren. Da wird gegen Leipzig (Platz 11) zweimal verloren und zu Hause gegen Rhein-Main (9). Das zeigt aber auch, dass es in der Liga ausgesprochen knapp herging. Worauf jetzt ja auch der Freiburger Erfolg hinweist.

Wie es weiter geht? ?Die nächsten Wochen werden zeigen, ob das Geld, das nötig ist, um die Eisvögel am Leben zu halten, zusammenkommt?, sagt Harald Janson. Vereinschef Mohadjer spricht von 80 000 Euro, die zusätzlich benötigt werden, um in der Liga bleiben zu können. Mohadjer ist optimistisch. Es gebe zwar noch keine offiziellen Zusagen, aber er habe gute Anzeichen. Die Eisvögel haben keine Schulden (?nicht einmal beim Finanzamt?) und das soll auch so bleiben, bekräftigt der Vorsitzende. ?Eher gehen wir in die 2. Liga?.

Aber das will natürlich keiner, der mit den Eisvögeln zu tun hat. Deshalb tragen auch viele zur Pflege des Eisvogelnestes bei. Ohne die vielen ehrenamtlichen Kräfte würde der dünne Etat des Vereins bei weitem nicht ausreichen. Und ?unsere Zuschauer sind einfach phantastisch?, begeistert sich Mohadjer, die unterstützten die Mannschaft auch, wenn es mal nicht so gut lief. Schön wäre es allerdings, wenn noch ein paar mehr kämen. Mohadjer hofft es für die Eisvögel, für die er ?schon fast väterliche Gefühle? habe.

Vor allem die letzten Spiele waren eine Werbung für den Baskettball und die Eisvögel. Vielleicht lockt das doch einige Fans zusätzlich in die Halle. Und vielleicht hat das auch den einen oder anderen Geldgeber davon überzeugt: Die Eisvögel gehören zu Freiburg, mit ihnen lässt sich gut werben. Klaus Rütschlin