Sportmedizin

Sport und Schmerz – Sportmedizin bei den “Eisvögeln”
von Prof. Dr. M. Mohadjer und Dr. M. Klein

Prof. Dr. Mohadjer

Sportmedizin, so wurde 1958 definiert, “beinhalte diejenige theoretische und praktische Medizin, welche den Einfluss von Bewegung, Training und Sport sowie den von Bewegungsmangel auf den gesunden und kranken Menschen untersucht, um die Befunde der Prävention (Vorbeugung), Therapie und Rehabilitation (Wiederherstellung) sowie dem Sportler dienlich zu machen”.

Was bedeutet dies für die Betreuung von Leistungssportlerinnen oder anders ausgedrückt: welches Interesse hat der Sport an der Medizin?

Dr. Martin Klein

Wir wollen dies am Beispiel der schmerzhaften Funktionsstörungen darstellen.
Sportliche Hochleistungen können oft erhebliche Schmerzen verursachen. Dementsprechend leiden eine Vielzahl von Leistungs- aber auch Nichtleistungssportlern unter schmerzhaften Bewegungs- und Belastungseinschränkungen.

Extreme, manchmal auch falsche Beanspruchungen des Bewegungs- und Stützapparates, auch und besonders im jugendlichen Alter, führen oft sogar zu Dauerschmerzen. Diese Schmerzen beeinträchtigen direkt die sportliche Leistung in Training und Wettkämpfen. Diesen Beschwerden liegen vielfältige medizinische Ursachen zu Grunde. Neben Verletzungen des Muskel-Bandapparates, der Gelenke und sogar der Knochen können Störungen des Säure-Basen- und Wasserhaushaltes, Störungen des Mineralstoffwechsels, Erschöpfung, Durchblutungsstörungen und sogar psychische Dysbalancen durch zunehmenden Stress im Spiel und auch im beruflichen oder privaten Umfeld als weitere Gründe in Frage kommen.
Etwas anders ausgedrückt: in Wettkämpfen möchten sich die Sportler/innen miteinander messen. Das ist auch gut so. Die sportbegeisterte Anhängerschaft möchte diesen Wettstreit persönlich miterleben. In der Aufregung überschreiten manche ehrliche Sportler/innen unbemerkt ihre Gesundheits- und Schmerzschwelle. Sie bewegen sich in einer Gefahrenzone, die oft zeitlich versetzt viel später zum Tragen kommt.

Das Interesse des Sportes an der Sportmedizin lässt sich also grob in folgenden Punkten zusammenfassen:

  1. Ärztliche und zunehmend in der Vordergrund tretend, physiotherapeutische Behandlung bei Verletzungen
  2. Vorbeugende Untersuchungen (orthopädisch / internistisch-kardio-logisch) zur Verhinderung bzw. Verschlimmerung bekannter oder unentdeckter Vorschäden
  3. Sportartspezifische Leistungsdiagnostik
  4. Mithilfe bei der Optimierung von Trainingsmethoden
  5. Hilfestellung bei der Bewältigung von Alltagsproblemen (Schule, Beruf, Familie etc.) und auch in der Verarbeitung persönlicher oder mannschaftlicher Erfolge und Misserfolge
  6. Mithilfe bei der Optimierung der dem Hochleistungssport angepassten Ernährung

Wie komplex die Umsetzung solcher Erkenntnisse ist, zeigt das folgende Schaubild. Sie können daraus erkennen, dass zum einen natürlich direkte und oft enge Beziehungen zwischen den einzelnen am medizinischen Betreuungskonzept Beteiligten und den Spielerinnen bestehen müssen und dass zum anderen die Fäden bei einem sportmedizinisch geschulten Arzt zusammenlaufen sollten, um das Gesamtkonzept nicht aus dem Auge zu verlieren.

An der Umsetzung dieses Konzeptes arbeitet unsere “Medizinische Abteilung” kontinuierlich weiter. Manches ist noch verbesserungs- und entwicklungsbedürftig, manches ist bereits erreicht. Die neue Saison wird zeigen, dass die “Eisvögel” auch auf diesem Sektor auf dem Weg zur Erstklassigkeit sind.

Wie Sie sehen, ist es nicht mehr nur damit getan, akute Verletzungen zu versorgen. Vielmehr wird inzwischen von uns Medizinern erwartet, dass wir uns nicht nur in allen körperlichen sondern auch seelischen Belangen vorher einschalten, um manches Desaster zu vermeiden.
Wir können das Rad der Zeit nicht mehr zurückdrehen.

Der Sport ist und bleibt ein wichtiger Teilaspekt für den Freizeitmenschen. Je mehr Sport und Sportler kommerzialisiert werden, um so mehr müssen wir uns bemühen, den Akut- und Dauerschaden von jugendlichen Menschen fernzuhalten.