09.03.2026  /  Verein

WNBL: Die Reise geht weiter!

Dank eines aberwitzigen Schlussviertels, in dessen Verlauf die jungen Eisvögel ein Comeback für die Geschichtsbücher aufs Parkett zaubern, gewinnt die WNBL die Achtelfinalserie gegen Nürnberg mit 2:1. Im Viertelfinale wartet nun ALBA Berlin. Aber fangen wir von vorn an…

“BaSkEtBaLl IsT eIn SpIeL DeR lÄuFe!” Macht dann einmal 1,50 € ins Phrasenschwein bitte. Dass in dieser Binsenweisheit dennoch ein hoher Wahrheitsgehalt steckt, durften die rund 150 anwesenden Zuschauer*innen am frühlingshaften Sonntag des 1. März im Freiburger Unidome auf beeindruckende Art und Weise miterleben.

Unter der Woche freute sich der Freiburger Nachwuchs über die Genesung von Defensiv-Ass Renée Pingpoh, die nach mehrwöchiger Verletzungspause endlich wieder zum Mannschaftstraining stoßen konnte und im alles entscheidenden dritten Spiel direkt die Rolle als Kettenhund gegen Nürnbergs umtriebige Topscorerin Noemi Schoenauer übernahm. Weiterhin verzichten mussten die jungen Eisvögel auf Frederike Askamp und Ida Christ.

Für Spiel 3 hatte man sich vorgenommen, von Minute eins an den Spielrhythmus zu diktieren und Nürnbergs Pressverteidigung mit viel Tempo zu attackieren. Gesagt, getan: In den Anfangsminuten überrollten die jungen Eisvögel Nürnberg förmlich. Renée Pingpoh stibitzte das Spielgerät beim Ballvortrag, bedankte sich per Korbleger und legte kurz darauf per Backdoor-Cut nach. Anschließend marschierte Lola Hadzidedić über das gesamte Spielfeld und schloss sehenswert per Floater ab. Lara Gierlich wollte ebenso nicht tatenlos zusehen und streute im darauffolgenden Angriff in unnachahmlicher Manier einen Dreier von 45 Grad ein. Wer beim 15:2-Zwischenstand nach knapp 7 gespielten Minuten mit einem ruhigen Nachmittag rechnete, hätte falscher nicht liegen können. In der Folge passierte das, was im Jugendbasketball so typisch ist: Ein für Außenstehende unerklärlicher Bruch im eigenen Spiel und ein Momentum-Shift aus heiterem Himmel. Offensiv wurden einige klare Vorteile nicht mit der nötigen Konsequenz zu Ende gespielt und defensiv unterliefen den Freiburgerinnen immer wieder einfache Fehler in der Umsetzung des Gameplans. Nürnberg nutzte diese gnadenlos aus, um sich mit aller Macht in der Partie festzubeißen und verkürzte in den Schlussminuten des ersten Abschnitts auf 15:14.

In Viertel zwei und drei war beiden Teams das Nervenkostüm ob der Bedeutung des Spiels sichtlich anzumerken. Freiburg war in dieser Phase zu zögerlich im Umschaltspiel, bewegte im Halbfeld den Ball zu langsam und suchte vergeblich nach spielendem Personal, das die Verantwortung in dieser schwierigen Phase übernehmen wollte. Nürnberg fand dies in Person von Noemi Schoenauer, die ihr Team nach der Halbzeit mit sehenswerten Einzelaktionen mitriss, wodurch Nürnberg als Kollektiv erstarkte und das Momentum vollständig auf seine Seite ziehen konnte. Beim Stand von 33:49 kurz vor Ende des dritten Spielabschnitts lag Freiburg angezählt am Boden.

Im vierten Viertel musste also ein kleineres Basketballwunder her, um den Traum vom Viertelfinale am Leben zu halten. Karla Paradzik sendete offensiv ein erstes zartes Freiburger Lebenszeichen und auch Amélie Mbah glänzte immer wieder als Scorerin im Pick and Roll. Gleichzeitig übernahm Renée Pingpoh nach ihrer Wiedereinwechslung das defensive Kommando und nahm Nürnbergs Offensive quasi im Alleingang den Wind aus den Segeln. Nürnbergs Guards hatten sichtlich Probleme, den Ball überhaupt bis ins Halbfeld zu transportieren, geschweige denn eine strukturierten Angriff zu organisieren. Gleichzeitig roch Freiburg Lunte und schöpfte aus der stabilisierten Defensive und der zunehmend lauter werdenden Halle massivst Selbstvertrauen. Daran änderten auch alle drei Nürnberger Auszeiten nichts, die in kurzen Abständen genommen wurden, um dem aufziehenden Freiburger Sturmlauf Einhalt zu gebieten. Davon unbeeindruckt spielte sich Freiburg in einen regelrechten Rausch: Beim Stand von 47:51 verkürzten die jungen Eisvögel per Korbleger nach Einwurf auf Minus zwei, Renée Pingpoh zwang Nürnberg zum nächsten hektischen, unüberlegten Abschluss und Lara Gierlich brachte wenige Sekunden später die Unihalle mit einem Fastbreak-Dreier zum Explodieren. Gleich darauf schnappte sich Amélie Mbah den Ball aus den Händen einer Gegenspielerin und Karla Paradzik schoss ihrer Gegenspielerin den nächsten Dreier ins Gesicht. 55:51. Freiburg führt! 17:0-Lauf USC. Partie gekippt. Und das Unihallen-Dach fliegt restlos weg. Auch der Fakt, dass Nürnberg das Spiel in den Schlussminuten noch dreimal ausgleichen konnte, ließ die USClerinnen kalt und Lara Gierlich machte den Viertelfinaleinzug schließlich von der Freiwurflinie perfekt. Was für ein Spiel - was für ein Comeback!

Ab kommendem Sonntag spielt die WNBL nun gegen ALBA Berlin um den Einzug ins Top4-Turnier im Mai. Wer zuerst zwei Siege erzielt, gewinnt. Freiburg - wir zählen auf Euch! Am Sonntag den 22. März steigt um 12:00 Uhr Spiel 2 der Viertelfinalserie im heimischen Unidome. Wer dann immer noch nicht genug von Freiburg - Berlin gesehen hat, darf sich im Anschluss noch das Große-Spiele-Event der 1. DBBL gegen -korrekt! - ALBA Berlin anschauen. Basketball-Festspiele in Freiburg. Wer’s verpasst, ist selbst schuld!

Für Freiburg spielten: Gierlich (22 Pkt, 11 Reb, 2 Ass, 3 Stl, 31 Eff), Paradzik (20 Pkt, 5 Ass, 3 Reb, 3 Stl), Mbah (12 Pkt, 4 Reb, 7 Ass, 3 Stl, 4 Blk, 24 Eff), Pingpoh (6 Pts, 3 Reb, 2 Ass, 2 Stl), Hadzidedić (4 Pkt, 3 Reb, 2 Ass), Kohn (4 Reb, 2 Stl), Schmitt (3 Reb), Carla Christ, Faram (dnp-cd), Reich (dnp-cd).