07.04.2026  /  Verein

WNBL: Nerven und mangelnde Erfahrung kosten Eisvögel-Nachwuchs die Top4-Teilnahme

In einem Basketball-Thriller mit allen erdenklichen Höhen und Tiefen sehen die jungen Eisvögel in Berlin kurz vor Spielende wie die vermeintlichen Siegerinnen aus - und stehen sich am Ende selbst im Weg. Trotz der schmerzhaften 61:66-Niederlage nach Verlängerung (57:57, 29:34) blicken Mannschaft und Trainerstab auf eine Spielzeit voller schöner Momente und positiver Entwicklungen zurück.

Foto: Florian Ullbrich

Psychologie und mentale Komponenten spielen im Jugendbasketball, speziell in den Playoffs, wo Sekundenbruchteile über eine gesamte Saison entscheiden können, eine unglaublich wichtig Rolle. So wurde der heimische Unidome im Verlauf der Meisterschafts-Endrunde zur uneinnehmbaren Festung, in der das WNBL-Team Spiele selbst in scheinbar aussichtslosen Situationen mit einer Leichtigkeit drehte, die seinesgleichen sucht. Indessen bedeuteten die beiden Auswärtsfahrten nach Nürnberg und Berlin jeweils Niederlagen für die USClerinnen. Um sich den Traum vom in der Aufstiegssaison nicht unbedingt eingeplanten Top4-Einzug erfüllen zu können, musste dieses Mal zwingend ein Sieg in fremder Halle her. Anders als zwei Wochen zuvor war die Berliner Max-Schmeling-Halle zu Spiel drei der Viertelfinalserie brechend voll und besucht vom who-is-who des deutschen Basketballs: Da waren die BBL-Legenden Femerling und Schultze, dessen Töchterchen Lilli im Verlauf der Partie eine nicht unerhebliche Rolle spielen sollte. Dazu stießen Bundestrainer, Trommler*innen des ALBA-Fanclubs, etwas mehr als 100 weitere Schaulustige sowie das gesamte Berliner Team der 1. DBBL, das nicht müde wurde, die USClerinnen beim Freiwerfen von hinter dem Korb lauthals abzulenken.

Dieser Rahmen hinterließ in den Freiburger Köpfen zu Spielbeginn Eindruck. Berlin verteidigte am Ball und in den ersten Passwegen wie schon in den vorigen beiden Begegnungen mit einer Intensität, die an und zeitweise jenseits der Grenze des Erlaubten lag. Gleichzeitig war Freiburg in den Anfangsminuten zu keinem Zeitpunkt in der Lage, einstudierte Lösungen gegen Druck umzusetzen und überließ den Ball mehrfach ohne größere Gegenwehr den in gelb spielenden Berlinerinnen. Diese nutzten die Einladung, um den Geräuschpegel in der Halle früh im Spiel erstmalig in den dreistelligen Dezibelbereich zu drücken. Auch die erste Auszeit nach nur viereinhalb gespielten Minuten zeigte keinerlei Wirkung, sodass nach drei weiteren Freiburger Ballverlusten und zwei Berliner eins-gegen-null-Korblegern keine Minute später die zweite und damit letzte Auszeit der ersten Halbzeit gezogen werden musste, um zu verhindern, dass den USClerinnen das Spiel beim Stand von 5:18 vollends entglitt. Nach einer taktischen Umstellung stabilisierte sich Freiburg defensiv und schaffte es zusehends, den Fokus auf das Spielgeschehen zu richten. Offensiv feuerten Lara Gierlich und Paula Kohn jeweils mit erfolgreichen Dreipunktwürfen den ersten Warnschuss in Richtung Berlin ab und so konnte in Abschnitt eins zumindest der Worst Case abgewendet werden.

Viertel zwei verlief nicht weniger kampfbetont als der erste Spielabschnitt - Berlin lebte primär von der Präsenz seiner beiden Innenspielerinnen Mathilda Haensch und Lilli Schultze in der Freiburger Zone, während die USClerinnen sich auf beherzte Attacken von Karla Paradzik und variables Scoring von Lara Gierlich verlassen konnten. Den Schwung aus den Anfangsminuten mitnehmend konnte Berlin zur Halbzeitpause eine knappe Führung (29:34) behaupten.

In der Halbzeit nahm man sich vor, die eigene Zone besser vor den Berliner Innenspielerinnen zu schützen und ALBA noch konsequenter dazu zu zwingen, über seine Achillesferse - wenig Wurfqualität auf den Guardpositionen - Offensive zu generieren. Gesagt, getan: In Viertel drei mischten die jungen Eisvögel Beton in der eigenen Zone an, schafften es durch kollektiven Einsatz Rebounds zu sichern, und konnten in der Folge immer wieder früh in der Wurfuhr gegen unsortierte Berliner Verteidigung abschließen. Mit 18:11 wurde der dritte Spielabschnitt gewonnen und so ging es mit einer 47:45-Führung in die letzten 10 Minuten dieser denkwürdigen Viertelfinalserie. Freiburg schaffte es hier früh, Berlin ob seiner extrem intensiven Spielweise vier Teamfouls anzuhängen und ein ums andere Mal an die Freiwurflinie zu kommen. Von dort konnte man unglücklicher Weise über die gesamte Partie hinweg viel zu wenig Kapital schlagen (12 Treffer bei 24 Versuchen). Weil Berlin aber weiterhin keine Antwort auf die kompakt stehende Freiburger Verteidigung parat hatte und die USClerinnen trotz erster Abnutzungserscheinungen sporadisch spielerische Akzente setzen konnten, wuchs die Führung bis drei Minuten vor Ende der Partie auf 55:49 zu Gunsten der jungen Eisvögel an.

Während einer Berliner Auszeit schmiedete man einen gemeinsamen Plan, um die letzten Minuten erfolgreich zu gestalten: Defensiv weiter die Zone schützen und als Team rebounden, offensiv nicht ausschließlich verwalten, sondern Berlin weiterhin konsequent attackieren und das Spiel im Zweifel von der Freiwurflinie entscheiden. Was in den Schlussminuten folgte, war ein kollektiver Meltdown: Nachdem die Tür zum Top4 nun sperrangelweit offen stand und man nur noch hindurchgehen musste, schien sich eine lähmende Angst in den Köpfen breit zu machen, eben diesen letzten Schritt nicht gehen zu können. Das Ergebnis davon waren reihenweise unerklärliche individuelle Aussetzer: Gleich dreimal dribbelte Freiburg mit dem Ball ins Aus oder stand beim Einwurf aus heiterem Himmel mit beiden Füßen im Feld. Zwei weitere Fehlpässe sorgten für Turnover vier und fünf der Schlussphase. Freiburgs Defensive ließ auf einmal riesiger Lücken zu und Berlin kämpfte sich mit lauter werdender Halle im Rücken Punkt um Punkt heran. Offensiv boten sich in den Schlussminuten mehrere Gelegenheiten, um den Deckel drauf zu machen, aber alles, was ab sofort in Richtung Berliner Korb segelte, wollte partout nichtmehr fallen. So schaffte ALBA in der letzten Spielminute den Ausgleich zum 57:57, wohingegen den Freiburgerinnen der letzte Angriff der regulären Spielzeit vorbehalten war. Mit Ablauf der Spieluhr schickte Paula Kohn einen letzten Dreier auf die Reise - sollte der sein Ziel finden, würde er die USClerinnen ins Top4 schicken. Aber auch hier hatte Freiburg das Pech gepachtet und der Ball sprang nach zweifacher Ringberührung wieder aus dem Korb. Verlängerung.

Hier hatte Berlin dann den längeren Atem: 1:37 Minuten vor Ende der Verlängerung verwandelte Helene Lehmann zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt einen von insgesamt nur zwei erfolgreichen Berliner Dreipunktwürfen und besorgte damit eine 63:59-Führung, die Freiburg nichtmehr kontern konnte. Zu viel Kraft hatten die Aufholjagd in der ersten Halbzeit, der Kampf unter den Brettern und der durchgehend immense Berliner Druck gekostet. Die letzten Angriffe fanden nicht ihr Ziel und so war es am Ende Berlins beste Spielerin in Lilli Schultze, die das Spiel an der Freiwurflinie entschied.

Trotz der bitteren Niederlage und des denkbar knappen Ausscheidens so kurz vor dem Halbfinaleinzug darf die Mannschaft mehr als stolz auf das Erreichte sein. Als jüngstes Team der Liga und Aufsteiger mit Ausfällen von Leistungsträgerinnen umgehen zu müssen, ist alles andere als einfach. Dass dadurch umso mehr Verantwortung auf Spielerinnen zurückfällt, die eigentlich noch u16 spielen, ist ebenso keine kleine Herausforderung. Trotz aller Widrigkeiten ist das Team in den entscheidenden Momenten näher zusammengerückt, hat einen unglaublichen Willen bewiesen, alle Playoff-Heimspiele gewonnen und dem Freiburger Publikum spannende Fights geboten, an die man sich in ein paar Jahren noch gerne zurück erinnern wird. Und: Die Zukunft ist rosig! Der gesamte Kader darf kommende Saison noch einmal geschlossen in der WNBL spielen. Zu Beginn der Saison 2026/2027 dürften dann die Damen Askamp und Koppke auch wieder mitmischen können. Na, wenn das mal keine guten Voraussetzungen für einen erneuten Run aufs Top4 sind! To be continued…

Für Freiburg spielten:

Gierlich (24 Pkt, 4 Dreier, 10 Reb, 4 Stl, 3 Blk, 30 Eff), Paradzik (21 Pkt, 5 Reb, 5 Stl), Kohn (8 Pkt, 2 Reb), Pingpoh (4 Pkt, 5 Reb, 2 Stl), Hadzidedić (4 Pkt, 4 Reb, 4 Stl), Mbah (13 Reb, 3 Ass, 2 Blk), Carla Christ, Ida Christ, Faram, Schaper, Schmitt (alle dnp).